Rotes Halstuch -- Meine kommunistische Kindheit (Teil1)
Es geht nicht um Diktatur, Planwirtschaft oder Geheimpolizei, sondern meine Kindheit. Sie war schön, auf jeden Fall.
(Teil 1)
Ich bin 1980 in einer kleinen Stadt in Südwestchina geboren. 1986 ist der kleine Chinese in die Grundschule gegangen und hat nach einem halben Jahr ein rotes Halstuch gekriegt, so wie die anderen sogenannten ausgezeichneten Schüler. Das war an einem Vormittag. Alle Schüler standen auf dem Schulhof und Musik lief durch den großen Lautsprecher. "Bitte nachsprechen", sagte jemand durch den Lautsprecher. Dann haben die Kinder, die ganz vorne standen, etwas nachgesprochen. So kam ein groeßerer Schüler zu mir, knüpfte das rotes Tuch um mein Hals. In diesem frohen Moment sah ich noch ein trauriges Gesicht.Er stand neben mir aber kriegte nichts. "Du darfst noch kein Jungpionier sein! Wie kann ein Jungpionier jeden Tag zu spät zur die Schule kommen und im Unterricht schlafen?" ,sagte die Lehrerin. "Bemühe dich!"
Es gab noch ganz viele Leute auf dem Schulhof, die langsam einer nach dem anderen nach vorne gingen, um die roten Halstücher zu bekommen. So langweilig war es. "Man muss die Zeit doch nicht so totschlagen." Ich befand mich da, dachte aber schon an etwas anderes: "Also, wenn das Schulbuch recht hat, ist das Halstuch eine Ecke der Nationalflagge. Aber die Nationalflagge ist doch ein Rechteck. Es fehlt keine Ecke daran. Na, ok,sie koennte eigentlich auch fünfeckig sein. Aber es ist zu viel Arbeit, um die roten Halstücher aus der Flagge zu schneiden. Und günstig ist es auch nicht. Wir brauchen so viele Halstücher, aber wir haben nur eine Nationalflagge in jeder Schule. Was macht man mit den restlichen Flaggen nach dem Schneiden?"
"Die Nationalflagge ist rot, weil sie vom Blut der Märtyern gefärbt ist", redete der Lehrer durch Lautsprecher. Sofort habe ich in der ersten Sekunde an meinem neuen roten Halstuch gerochen. Es roch aber wie neu gedrucktes Buch!" Ich mag es," sagte ich automatisch. "Ja, toll! Du magst es! Aber man muss das nicht immer betonen, oder?" sagte der Junge, der an diesem Vormittag nichts gekriegt hat.
Eigentlich war ich auch kein braves Kind. Spät zum Untericht war ich zwar nie, aber nach der Schule ging ich auch nie direkt nach Hause.
(Dieses Teil wurde von Torben Müller korrigiert. Danke!)


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