Rotes Halstuch -- Meine kommunistische Kindheit (Teil2)

Es geht nicht um Diktatur, Planwirtschaft oder Geheimpolizei, sondern meine Kindheit. Sie war schön, auf jeden Fall.
(Teil 2)
Jeden Nachmittag mussten die Schüler den Klassenraum sauber machen. Es gab in einer Klasse ungefähr 60 Schüler mit sechs Reihen. Jede Reihe ist also eine Gruppe. Jede Gruppe machte in einer Woche einmal sauber. Ich hasste sauber machen, ganz ehrlich. Aber als Gruppenleiter und Mitglied der Jungpioniere musste ich doch Vorbild sein. "du, Wasser holen! du, die Stuhle auf die Tischen legen! du, die Tafel putzen!..." so fingen die Leute an zu arbeiten. Ich putzte normalerweise die Fenster und guckte ob alle Leute fleißig waren.
Samstagmittags mussten alle Schüler zusammen noch die Treppen und den Schulhof sauber machen, dafür musste jeder vom Zuhause ein Putzmittel mitnehmen, weil die Schule nicht so viele Putzmitteln hatten. Jede Klasse hatte eine so genannte Pflichtfläche sauber zu machen. Nach dem letzten Unterricht wurde die Schule dann ganz laut und Staub flog überall, wie Karneval im Schloss der Wolken. Der Schulhof war ja schon eine Bühne. "Vorangehen! Für neue China!" Ein Junge hielt den Stuhl hoch (In diesem Film ist es eine Bombe statt Stuhl). "Kosei! Zeit gefrieren!" Schrie der andere mit dem Besen. So kämpften die Rollen des japanischen Zeichentricks aus der Zukunftswelt mit den chinesischen kommunistischen Soldaten. Da nach kamen noch Superman und arabischer Flugteppich. Und natürlich sind die roten Halstücher Objekte geworden. Mit den dreieckigen Halstüchern konnte man sogar so viele Rollen spielen: indische Frauen, Räuber, Zoro usw.
"Ihr habt ja gar keinen Respekt vor den Märtyrern! Die roten Halstücher sind von ihrem Blut gefärbt!" sagte die Klassenordnerin. "Nein, das ist von Superman! Er hat sich verletzt! Komm doch mir zu helfen!" schrie der andere. Naja, dann ging das arme Mädchen weg und die Lehrerin kam. Die Lehrerin anzurufen war immer die einzige Fähigkeit der Klassenordnerin. "Wahrsinn! Was macht ihr da!" so ist alles wieder in der Ruhe. Mein rotes Halstuch hatte schon zwei Löcher, weil ich Zolo gespielt hatte.
Am Abend weinte ich beim essen Zuhause. "Was ist denn los? " fragte meine Mutter, "sag schon!" Ich weinte immer noch. Ich durfte das nicht sagen, sonst kriege ich Katastrophe. "Ich habe die Ecke der Nationalflagge kaputt gemaaaaaacht!" Dieses Echo klingelte rund um meinen Kopf. "Hast du in der Schule mit jemandem geprügelt?" meine Eltern fragten. "Ich werde morgen bei der Gymnastik vorne stehen lassen und die Leute werden mich auslachen! Ich habe kein rotes Halstuch mehr!", endlich hab ich gesagt und das Tuch meinen Eltern gezeigt. Genau wie ich gedacht hatte, haben wir dann Theater gemacht.
Am nächsten Vormittag ging meine Oma mit mir in den Laden und hat für mich ein neues rotes Halstuch gekauft. Nur ein Yuan gekostet. Ich hatte vorher gar nicht gewusst, dass man die roten Halstücher im Laden einfach kaufen könnte! Und was mich überrascht hat, ist: wie könnten sie das Blut der Märtyrern verkaufen! Ab diesem Moment, glaubte ich den Lehrbüchern nicht mehr. Wie die Wahrheit des Weihnachtsmanns hier im westen, war es auch ein Zeichen meiner Kindheit.


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