Montag, Januar 16, 2006

Rotes Halstuch -- Meine kommunistische Kindheit (Teil 3)



Es geht nicht um Diktatur, Planwirtschaft oder Geheimpolizei, sondern meine Kindheit. Sie war schön, auf jeden Fall.

(Teil 3)

Am Tor der Schule gab es viele Straßenimbisse. Die meisten Verkäufer da waren alt. Ein kleiner Stuhl, ein Korb oder noch ein Topf: so einfach kann ein kleiner Imbiss sein. Sie verkauften fast alles, was die Kinder interessierten: Zuckerwatte, kandierte Frucht usw. Eine merkwürdige alte Frau hatte auch da einen Platz. Sie verkaufte Popcorn und die kleinen Manga-spielkarten.


Es war so merkwürdig: sie heißt Mao, ja, genau wie der Vorsitzender der Partei. Die Kinder nannten sie Oma Mao, natürlich sagten sie das nur so zu ihr. Als sie nicht da war, nannten die Kinder sie einfach die Alte Mao. Und die alte Frau ist sehr groß und dünn, echt wie eine Hexe. So selbstverständlich gab es ganz viele Gerüchten über sie in der Schule. Und meistens diskutierte ich darüber mit den Mitschülern im Mathematik-Unterricht. Mein Nachbar Jun sagte mir, er hatte von seinem großen Bruder gehört, dass die Frau Mao eine Spionin sei. "Also, sie heißt Mao. Das heißt, sie kann die Verwandte von dem Vorsitzender Mao sein. Wenn das stimmt ist, kriegt sie dann bestimmt eine Stelle in der Partei, wie die letzte Frau von dem Vorsitzender. Aber der Vorsitzender Mao ist schon tot, deshalb schmeißt die Partei sie aus, auch wie die letzte Frau von ihm. So ist sie hier reingerutscht. Also ist die aktuelle Arbeit von ihr ist die Schüler zu beobachten. Zum Beispiel, wenn jemand prügelt oder schimpft, schreibt sie den Namen auf und gibt dem Schuldirektor den Zettel", so sagte Jun zu mir.

Sie saß jeden Tag an der Schule Popcorn zu verkaufen, wie ich an meinem ersten und letzen Schultag gesehen habe. Juns Bruder hatte aber Unrecht. Sie war nicht die Spion von dem Schuldirektor, weil der Schuldirektor sie gar nicht mochte und er fand sie wie eine stinkende unverschwindbare Fliege an der Schule.

Es war ein Vormittag. Nach dem Gymnastik blieben alle Schüler noch auf dem Schulhof. Der Schuldirektor sprach durch den riesigen Lautsprecher: " Wir haben eine Mitteilung von den Vorgesetzten bekommen. Einige Schüler sind wegen den Straßenfoods krank. Die Straßenimbisse sind schmutzig. Sie schaden die Sanierung und die Schönheit unserer Schule. Ab Heute, wenn jemand noch am Tor kauft und isst, wird er von den Dienst habenden Jungpionieren vermerkt. Und die Verkäufer am Tor, hören Sie bitte zu, bitte ziehen Sie um! schnell wie möglich! Es wird nicht mehr erlaubt, hier an der Schule zu verkaufen!" An diesem Mittag waren die Imbisse weg, außer Frau Mao. Sie saß da mit ihrem Korb, Popcorn und dem Pockerface, wie immer. Einige Verkäufer sahen sie und zogen langsam ein bisschen nah von dem Tor. Der Schuldirektor war natürlich sehr sauer und er hat dann geschrieen. Am nächsten Tag sah man: sie war aber immer noch da.

Die Schule machte das Tor in der Schulzeit zu. So konnten die Schüler in der Pause nicht mehr ausgehen bei ihr zu kaufen. Und nach der Schule standen immer einige Kinder mit roten Halstüchern dabei. Niemand wagte da kaufen. Aber das war gar nicht lang. Frau Mao saß immer noch näher von dem Tor, damit konnten die Kinder durch die Metallzaun des Tors auch Popcorn kaufen. Die Popcorns von ihr waren so lecker, so süß und so günstig... auch mit zwei Cent konnte man ungefähr zwanzig stück bekommen. So ist Frau Mao alleine da einige Monate geblieben und komischerweise hat der Schuldirektor gar nichts gesagt. Im Winter war sie auch da. Sie nahm im Winter einen kleinen Kessel mit. Der Kessel war aus einer Farbkanne bearbeitet und es gab Holzkohlen drin. Man konnte noch die Marke der Farbe sehen. "Leuchtturm" war die.

Frau Mao ist doch böse. Wir ganzen Klasse haben es überzeugt. Es war einmal im Bus, wir wurden zusammen in den Zoo fahren. Die Lehrerin Yang war noch nicht da, deshalb wartete der Fahrer noch. Jemand stieg sehr schnell ein. Das war Frau Mao! Sie kam zu dem Tao und nahm ein Geldschein vom Tao weg! Und das Kind sah natürlich in diesem Moment sehr doof aus. Einige Leute haben so laut gelacht. Nach der Diskussion mit den Mädchen wusste ich, dass der Tao bei ihr auf "Kredit" hundertmal gekauft und niemals gezahlt hatte. Die Lehrerin Yang hat dann gesagt: " Tao, es ist doch nicht gut! Später sollst du sofort bezahlen. Ein Jungpionier soll ein Vorbild sein! Und Madam Mao ist arm, sie braucht doch das Geld!" Naja, trotzdem fand ich sie so böse.

In diesem Gebäude, das sich auch am Tor der Schule befand, wohnten die Lehrer der Schule. Damals hatte jeder die Möglichkeit, von dem Arbeitgeber eine Wohnung bekommen. Und die Wohnungen waren natürlich ganz in der Nähe von der Arbeitstelle, sogar direkt am Tor. In einem Jahr sind fast alle Balkone plötzlich Imbisse geworden. Sie wurden umgebaut. So war dieses Gebiet wieder laut. Viele Kinder frühstückten da, kauften Süßigkeiten da. Wie gesagt waren die Imbisse von den Lehrern. Also seien sie natürlich sehr sauber und lecker und man konnte noch in der Klasse behaupten, dass er beim Lehrer gegessen habe. Der Schuldirektor hatte auch einen Imbiss da. Frau Mao hat dieses mal selber umgezogen. Sie saß dann unter der Brücke, die ein bisschen weit von dem Tor war. Die Kinder hatten sie langsam vergessen, weil es in den neuen Imbissen mehrere neuere Sachen gab.

Mittwoch, Januar 11, 2006

Rotes Halstuch -- Meine kommunistische Kindheit (Teil2)


Es geht nicht um Diktatur, Planwirtschaft oder Geheimpolizei, sondern meine Kindheit. Sie war schön, auf jeden Fall.

(Teil 2)

Jeden Nachmittag mussten die Schüler den Klassenraum sauber machen. Es gab in einer Klasse ungefähr 60 Schüler mit sechs Reihen. Jede Reihe ist also eine Gruppe. Jede Gruppe machte in einer Woche einmal sauber. Ich hasste sauber machen, ganz ehrlich. Aber als Gruppenleiter und Mitglied der Jungpioniere musste ich doch Vorbild sein. "du, Wasser holen! du, die Stuhle auf die Tischen legen! du, die Tafel putzen!..." so fingen die Leute an zu arbeiten. Ich putzte normalerweise die Fenster und guckte ob alle Leute fleißig waren.

Samstagmittags mussten alle Schüler zusammen noch die Treppen und den Schulhof sauber machen, dafür musste jeder vom Zuhause ein Putzmittel mitnehmen, weil die Schule nicht so viele Putzmitteln hatten. Jede Klasse hatte eine so genannte Pflichtfläche sauber zu machen. Nach dem letzten Unterricht wurde die Schule dann ganz laut und Staub flog überall, wie Karneval im Schloss der Wolken. Der Schulhof war ja schon eine Bühne. "Vorangehen! Für neue China!" Ein Junge hielt den Stuhl hoch (In diesem Film ist es eine Bombe statt Stuhl). "Kosei! Zeit gefrieren!" Schrie der andere mit dem Besen. So kämpften die Rollen des japanischen Zeichentricks aus der Zukunftswelt mit den chinesischen kommunistischen Soldaten. Da nach kamen noch Superman und arabischer Flugteppich. Und natürlich sind die roten Halstücher Objekte geworden. Mit den dreieckigen Halstüchern konnte man sogar so viele Rollen spielen: indische Frauen, Räuber, Zoro usw.

"Ihr habt ja gar keinen Respekt vor den Märtyrern! Die roten Halstücher sind von ihrem Blut gefärbt!" sagte die Klassenordnerin. "Nein, das ist von Superman! Er hat sich verletzt! Komm doch mir zu helfen!" schrie der andere. Naja, dann ging das arme Mädchen weg und die Lehrerin kam. Die Lehrerin anzurufen war immer die einzige Fähigkeit der Klassenordnerin. "Wahrsinn! Was macht ihr da!" so ist alles wieder in der Ruhe. Mein rotes Halstuch hatte schon zwei Löcher, weil ich Zolo gespielt hatte.

Am Abend weinte ich beim essen Zuhause. "Was ist denn los? " fragte meine Mutter, "sag schon!" Ich weinte immer noch. Ich durfte das nicht sagen, sonst kriege ich Katastrophe. "Ich habe die Ecke der Nationalflagge kaputt gemaaaaaacht!" Dieses Echo klingelte rund um meinen Kopf. "Hast du in der Schule mit jemandem geprügelt?" meine Eltern fragten. "Ich werde morgen bei der Gymnastik vorne stehen lassen und die Leute werden mich auslachen! Ich habe kein rotes Halstuch mehr!", endlich hab ich gesagt und das Tuch meinen Eltern gezeigt. Genau wie ich gedacht hatte, haben wir dann Theater gemacht.

Am nächsten Vormittag ging meine Oma mit mir in den Laden und hat für mich ein neues rotes Halstuch gekauft. Nur ein Yuan gekostet. Ich hatte vorher gar nicht gewusst, dass man die roten Halstücher im Laden einfach kaufen könnte! Und was mich überrascht hat, ist: wie könnten sie das Blut der Märtyrern verkaufen! Ab diesem Moment, glaubte ich den Lehrbüchern nicht mehr. Wie die Wahrheit des Weihnachtsmanns hier im westen, war es auch ein Zeichen meiner Kindheit.

Rotes Halstuch -- Meine kommunistische Kindheit (Teil1)


Es geht nicht um Diktatur, Planwirtschaft oder Geheimpolizei, sondern meine Kindheit. Sie war schön, auf jeden Fall.

(Teil 1)

Ich bin 1980 in einer kleinen Stadt in Südwestchina geboren. 1986 ist der kleine Chinese in die Grundschule gegangen und hat nach einem halben Jahr ein rotes Halstuch gekriegt, so wie die anderen sogenannten ausgezeichneten Schüler. Das war an einem Vormittag. Alle Schüler standen auf dem Schulhof und Musik lief durch den großen Lautsprecher. "Bitte nachsprechen", sagte jemand durch den Lautsprecher. Dann haben die Kinder, die ganz vorne standen, etwas nachgesprochen. So kam ein groeßerer Schüler zu mir, knüpfte das rotes Tuch um mein Hals. In diesem frohen Moment sah ich noch ein trauriges Gesicht.Er stand neben mir aber kriegte nichts. "Du darfst noch kein Jungpionier sein! Wie kann ein Jungpionier jeden Tag zu spät zur die Schule kommen und im Unterricht schlafen?" ,sagte die Lehrerin. "Bemühe dich!"

Es gab noch ganz viele Leute auf dem Schulhof, die langsam einer nach dem anderen nach vorne gingen, um die roten Halstücher zu bekommen. So langweilig war es. "Man muss die Zeit doch nicht so totschlagen." Ich befand mich da, dachte aber schon an etwas anderes: "Also, wenn das Schulbuch recht hat, ist das Halstuch eine Ecke der Nationalflagge. Aber die Nationalflagge ist doch ein Rechteck. Es fehlt keine Ecke daran. Na, ok,sie koennte eigentlich auch fünfeckig sein. Aber es ist zu viel Arbeit, um die roten Halstücher aus der Flagge zu schneiden. Und günstig ist es auch nicht. Wir brauchen so viele Halstücher, aber wir haben nur eine Nationalflagge in jeder Schule. Was macht man mit den restlichen Flaggen nach dem Schneiden?"

"Die Nationalflagge ist rot, weil sie vom Blut der Märtyern gefärbt ist", redete der Lehrer durch Lautsprecher. Sofort habe ich in der ersten Sekunde an meinem neuen roten Halstuch gerochen. Es roch aber wie neu gedrucktes Buch!" Ich mag es," sagte ich automatisch. "Ja, toll! Du magst es! Aber man muss das nicht immer betonen, oder?" sagte der Junge, der an diesem Vormittag nichts gekriegt hat.

Eigentlich war ich auch kein braves Kind. Spät zum Untericht war ich zwar nie, aber nach der Schule ging ich auch nie direkt nach Hause.

(Dieses Teil wurde von Torben Müller korrigiert. Danke!)

Das erste Journal

so bin ich hier. Mein Blog ist eigentlich in MSN-Space. Ab Heute schreib ich auch hier.