Rotes Halstuch -- Meine kommunistische Kindheit (Teil 3)
Es geht nicht um Diktatur, Planwirtschaft oder Geheimpolizei, sondern meine Kindheit. Sie war schön, auf jeden Fall.
(Teil 3)
Am Tor der Schule gab es viele Straßenimbisse. Die meisten Verkäufer da waren alt. Ein kleiner Stuhl, ein Korb oder noch ein Topf: so einfach kann ein kleiner Imbiss sein. Sie verkauften fast alles, was die Kinder interessierten: Zuckerwatte, kandierte Frucht usw. Eine merkwürdige alte Frau hatte auch da einen Platz. Sie verkaufte Popcorn und die kleinen Manga-spielkarten.
Es war so merkwürdig: sie heißt Mao, ja, genau wie der Vorsitzender der Partei. Die Kinder nannten sie Oma Mao, natürlich sagten sie das nur so zu ihr. Als sie nicht da war, nannten die Kinder sie einfach die Alte Mao. Und die alte Frau ist sehr groß und dünn, echt wie eine Hexe. So selbstverständlich gab es ganz viele Gerüchten über sie in der Schule. Und meistens diskutierte ich darüber mit den Mitschülern im Mathematik-Unterricht. Mein Nachbar Jun sagte mir, er hatte von seinem großen Bruder gehört, dass die Frau Mao eine Spionin sei. "Also, sie heißt Mao. Das heißt, sie kann die Verwandte von dem Vorsitzender Mao sein. Wenn das stimmt ist, kriegt sie dann bestimmt eine Stelle in der Partei, wie die letzte Frau von dem Vorsitzender. Aber der Vorsitzender Mao ist schon tot, deshalb schmeißt die Partei sie aus, auch wie die letzte Frau von ihm. So ist sie hier reingerutscht. Also ist die aktuelle Arbeit von ihr ist die Schüler zu beobachten. Zum Beispiel, wenn jemand prügelt oder schimpft, schreibt sie den Namen auf und gibt dem Schuldirektor den Zettel", so sagte Jun zu mir.
Sie saß jeden Tag an der Schule Popcorn zu verkaufen, wie ich an meinem ersten und letzen Schultag gesehen habe. Juns Bruder hatte aber Unrecht. Sie war nicht die Spion von dem Schuldirektor, weil der Schuldirektor sie gar nicht mochte und er fand sie wie eine stinkende unverschwindbare Fliege an der Schule.
Es war ein Vormittag. Nach dem Gymnastik blieben alle Schüler noch auf dem Schulhof. Der Schuldirektor sprach durch den riesigen Lautsprecher: " Wir haben eine Mitteilung von den Vorgesetzten bekommen. Einige Schüler sind wegen den Straßenfoods krank. Die Straßenimbisse sind schmutzig. Sie schaden die Sanierung und die Schönheit unserer Schule. Ab Heute, wenn jemand noch am Tor kauft und isst, wird er von den Dienst habenden Jungpionieren vermerkt. Und die Verkäufer am Tor, hören Sie bitte zu, bitte ziehen Sie um! schnell wie möglich! Es wird nicht mehr erlaubt, hier an der Schule zu verkaufen!" An diesem Mittag waren die Imbisse weg, außer Frau Mao. Sie saß da mit ihrem Korb, Popcorn und dem Pockerface, wie immer. Einige Verkäufer sahen sie und zogen langsam ein bisschen nah von dem Tor. Der Schuldirektor war natürlich sehr sauer und er hat dann geschrieen. Am nächsten Tag sah man: sie war aber immer noch da.
Die Schule machte das Tor in der Schulzeit zu. So konnten die Schüler in der Pause nicht mehr ausgehen bei ihr zu kaufen. Und nach der Schule standen immer einige Kinder mit roten Halstüchern dabei. Niemand wagte da kaufen. Aber das war gar nicht lang. Frau Mao saß immer noch näher von dem Tor, damit konnten die Kinder durch die Metallzaun des Tors auch Popcorn kaufen. Die Popcorns von ihr waren so lecker, so süß und so günstig... auch mit zwei Cent konnte man ungefähr zwanzig stück bekommen. So ist Frau Mao alleine da einige Monate geblieben und komischerweise hat der Schuldirektor gar nichts gesagt. Im Winter war sie auch da. Sie nahm im Winter einen kleinen Kessel mit. Der Kessel war aus einer Farbkanne bearbeitet und es gab Holzkohlen drin. Man konnte noch die Marke der Farbe sehen. "Leuchtturm" war die.
Frau Mao ist doch böse. Wir ganzen Klasse haben es überzeugt. Es war einmal im Bus, wir wurden zusammen in den Zoo fahren. Die Lehrerin Yang war noch nicht da, deshalb wartete der Fahrer noch. Jemand stieg sehr schnell ein. Das war Frau Mao! Sie kam zu dem Tao und nahm ein Geldschein vom Tao weg! Und das Kind sah natürlich in diesem Moment sehr doof aus. Einige Leute haben so laut gelacht. Nach der Diskussion mit den Mädchen wusste ich, dass der Tao bei ihr auf "Kredit" hundertmal gekauft und niemals gezahlt hatte. Die Lehrerin Yang hat dann gesagt: " Tao, es ist doch nicht gut! Später sollst du sofort bezahlen. Ein Jungpionier soll ein Vorbild sein! Und Madam Mao ist arm, sie braucht doch das Geld!" Naja, trotzdem fand ich sie so böse.
In diesem Gebäude, das sich auch am Tor der Schule befand, wohnten die Lehrer der Schule. Damals hatte jeder die Möglichkeit, von dem Arbeitgeber eine Wohnung bekommen. Und die Wohnungen waren natürlich ganz in der Nähe von der Arbeitstelle, sogar direkt am Tor. In einem Jahr sind fast alle Balkone plötzlich Imbisse geworden. Sie wurden umgebaut. So war dieses Gebiet wieder laut. Viele Kinder frühstückten da, kauften Süßigkeiten da. Wie gesagt waren die Imbisse von den Lehrern. Also seien sie natürlich sehr sauber und lecker und man konnte noch in der Klasse behaupten, dass er beim Lehrer gegessen habe. Der Schuldirektor hatte auch einen Imbiss da. Frau Mao hat dieses mal selber umgezogen. Sie saß dann unter der Brücke, die ein bisschen weit von dem Tor war. Die Kinder hatten sie langsam vergessen, weil es in den neuen Imbissen mehrere neuere Sachen gab.


